MOTIVATION & CO
Sabine Hoogen
Begabungspsychologische Beratung
Hochbegabung & Potenzialentwicklung
Motivation: Konzepte,
Theorien und Einordnung
Für den Begriff der Motivation existieren zahlreiche Definitionen. In der Regel ist damit die Art und Weise des Antriebs für ein Verhalten gemeint sowie das Ziel des konkreten Handelns und eine positive Erwartung für den Handlungsausgang .
Psychologisch gut erforscht sind verschiedene Arten, die individuell bei jedem Menschen unterschiedlich hoch ausgeprägt sind, darunter das Leistungsmotiv, Lernmotiv, Machtmotiv und Anschlussmotiv. Diese können implizit (unbewusst) und explizit (bewusst) auftreten, wobei eine diesbezügliche Diskrepanz innerhalb eines Motivs zu Motivationshemmungen führen kann. Darüber hinaus können unterschiedlich hoch ausgeprägte Motive sich gegenseitig beeinflussen. Beispielsweise kann ein hoch ausgeprägtes Anschlussmotiv dazu führen, dass das eventuell ebenfalls vorhandene hohe Leistungsmotiv in seiner Umsetzung gestört wird, etwa wenn es darum geht, abzuwägen, ob eine Party mit Freunden unmittelbar vor einer Prüfung besucht wird oder doch lieber zu lernen und frühzeitig zu Bett zu gehen für gute Leistungsbedingungen. Dann konkurrieren diese beiden Motive.
Im Rahmen der Leistungsmotivation spielen auch Annäherung an und Vermeidung von Verhalten, Situationen oder Aufgaben – meist in Bezug auf Anstrengung – eine Rolle sowie die subjektive Interpretation der Ursache für eine erbrachte Leistung, wie sie zum Beispiel in der Attributions-Theorie von Weiner (1986) beschrieben wird.
In der Selbstbestimmungs-Theorie von Deci und Ryan (1980, 2000; Ryan & Deci, 2017) geht es um die drei allen Menschen angeborenen, jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich hoch ausgeprägten psychologischen Grundbedürfnisse der Autonomie, der sozialen Einbindung sowie der Kompetenz. Je nach Zusammenspiel mit der Umwelt ergibt sich die entsprechende Motivationsstärke und Form. Intrinsische Motivation ist dabei eine aus dem inneren Antrieb erfolgende Motivation, während extrinsiche Motivation durch Anreize von außen entsteht. Im ungünstigsten Fall kann es zur A-Motivation, der Hemmung bzw. dem Ausbleiben von Antrieb kommen.
Die Flow-Theorie (Csikszentmihalyi, 1975, 2010) beschreibt den Erlebniszustand, in dem Menschen völlig in einer Tätigkeit aufgehen. Im Flow sind Aufmerksamkeit, Motivation und Handlung perfekt aufeinander abgestimmt – man ist hoch konzentriert, verliert das Zeitgefühl und empfindet Freude am Tun selbst: Eine optimale Form der intrinsischen Motivation, mit der bestmögliche Leistungen abgerufen werden können.

"Weißt du, warum ich das geschafft habe? Weil ich es wollte!"
6-jähriges Kind

"Ich will die Klasse überspringen und ich kann das"
7-jähriges Kind
Ein umfassendes Modell der Persönlichkeit und Selbststeuerung stellt die Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen (Kuhl, 2001) dar. Sie beschreibt komplex, wie verschiedene psychische Systeme – das Intentionsgedächtnis, das Extensionsgedächtnis, das Objekterkennungssystem und die Intuitive Verhaltenssteuerung – zusammenwirken, um über Emotionsregulation das Denken, Fühlen, Handeln und die Motivation zu steuern – und warum Menschen sich in diesen Prozessen unterscheiden. Auf Basis dieser Theorie lassen sich mit der Trainingsbegleitenden Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik (TOP) unter anderem vorhandene Ressourcen identifizieren und die individuellen Selbststeuerungskompetenzen nicht nur in ihrer jeweiligen Ausprägung erkennen, sondern auch entwickeln und trainieren (Kuhl & Alsleben, 2009).
Selbstregulation ist die Fähigkeit, eigene Gedanken, Emotionen und Handlungen so zu steuern, dass sie mit den persönlichen Zielen und Werten im Einklang stehen. Gut entwickelte exekutive Funktionen im Gehirn – angesiedelt im präfrontalen Kortex – ermöglichen erfolgreiches, zielgerichtetes Handeln. Zu den exekutiven Funktionen zählen das Arbeitsgedächtnis, die Inhibitionskontrolle und die kognitive Flexibilität. Ihre qualitative Ausführung und ihr Zusammenspiel bestimmen, ob und in welchem Ausmaß ein Mensch in der Lage ist, selbstreguliert zu handeln (Miyake, et al., 2000). Eine gute Selbstregulation ist langfristig wichtiger für Erfolg, Gesundheit und Lebenszufriedenheit als Intelligenz (Poulton et al., 2015), was dafür spricht, diesbezügliche Kompetenzen bereits in der Kindheit zu trainieren.
Das Mindset bzw. die Einstellung eines Menschen hat große Auswirkungen auf seine Motivation, Anstrengungsbereitschaft und den Umgang mit Misserfolgserlebnissen. Dabei ist der auf Wachstum und Entwicklung durch Anstrengung, Strategien und Unterstützung von außen ausgerichtete Glaube an die Veränderbarkeit persönlicher Dispositionen des "Growth Mindset" signifikant erfolgreicher als ein "Fixed Mindset", das von unveränderbaren Bedingungen ausgeht (Dweck, 2017).
Wenn Sie Motivation und Selbststeuerung besser verstehen und gezielt stärken möchten, unterstütze ich Sie im Rahmen einer Potenzialberatung dabei, individuelle Zusammenhänge sichtbar zu machen und passende nächste Schritte zu entwickeln.
Literatur:
Carver, C. S. & Scheier, M. F. (1998). On the self-regulation of behavior. Cambridge University Press.
Csikszentmihalyi, M. (1975, 2010). Beyond boredom and anxiety. Jossey-Bass.
Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1980). Selfdetermination theory: When mind mediates behavior. Journal of Mind and Behavior, 1(1), 33–43
Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2000). The „what“ and „why“ of goal pursuits: Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227–268.
Dweck, C. (2017). Mindset. Changing the way you think to fulfil your potential. Hachette UK.
Heckhausen, J. & Heckhausen, H. (2018). Motivation und Handeln. Springer.
Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit: Interaktionen psychischer Systeme. Hogrefe.
Kuhl, J., Alsleben, P. (2009). TOP Manual für die Trainingsbegleitende Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik. Impart. Institut für Motivations- und Persönlichkeitsentwicklung.
Miyake, A., Friedman, N. P., Emerson, M. J., Witzki, A. H., Howerter, A., & Wager, T. D. (2000). The unity and diversity of executive functions and their contributions to complex “frontal lobe” tasks: A latent variable analysis. Cognitive psychology, 41(1), 49–100.
Poulton, R., Moffitt, T. E., & Silva, P. A. (2015). The Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study: overview of the first 40 years, with an eye to the future. Social psychiatry and psychiatric epidemiology, 50(5), 679–693.
Ryan, R. M. & Deci, E. L. (2017). Self-Determination Theory. Basic Psychological Needs in Motivation, Development, and Wellness. Guilford Press.
Weiner, B. (1986) An attributional theory of motivation and emotion. Springer.
Sabine Hoogen
M.A. | B.Sc. Psychologie | ECHA-Coach
Begabungspsychologische Beratung
Hochbegabung & Potenzialentwicklung
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